Lectorix' Buchstabensuppe

… was mich halt beschäftigt…

Selbsthilfe – alte und neue Freunde…

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Zum fünften Mal war es so weit – es gab das Kinderwunschtreffen im Hirschgarten. Das erste Mal war im Jahr 2005 und wurde aus dem Kinderwunschforum bei http://www.wunschkinder.net initiiert. Damals hatten wir alle noch keine Kinder, waren teils mitten in den Behandlungen. Und haben unsere Männer an den Ohren mit zu den Treffen gezogen – naja, zumindest einige konnten sich überhaupt nicht vorstellen, sich unter „so“ einem Thema persönlich zu treffen. Und trotzdem, wir waren so viele, fast 30 Leute. Und da es in München möglich ist, in den Biergarten eigene Speisen mitzubringen, hatten wir im Vorfeld ein wirklich leckeres buntes Buffet vereinbart, zu dem jeder was mitbrachte.

Im Jahr darauf waren schon einige mit ihren Knirpsen da, im Folgejahr immer mehr. Und damit wurde letztlich auch das Ende dieses Treffens als Plattform für Paare mit Kinderwunsch und gänzlich ohne Kinder eingeläutet, denn verständlicherweise ist es frustrierend zu sehen, wie andere sich tatsächlich auf der Zielstrecke befinden, teils schon zum zweiten oder dritten Mal schwanger wurden und man selbst tritt weiter auf der Stelle und holt sich buchstäblich eine Ohrfeige nach der anderen ab, wenn wieder nach einem Versuch getestet wird. Und dennoch – die Paare, die sich trotzdem hingetraut haben, konnten mit einem Lächeln nach Hause gehen, denn die Themen, wie man zu einer Familie kommen kann, waren im 3. Jahr bereits so breit gefächert, dass es keineswegs „nur“ um künstliche Befruchtung ging, sondern auch um Pflegefamilien, In- und Auslandsadoption und Eizellspende. Manch einer sah plötzlich völlig neue Wege und es ist doch wirklich auch was anderes, wenn man nur in der Theorie hört, dass es Eizellspende oder Pflegekinder gibt, als wenn man tatsächlich sieht, dass daraus eine wirklich glückliche Familie werden kann.

Im Jahr 4 waren fast nur Eltern da, dieses Jahr sah es nicht wesentlich anders aus. Ich war wirklich frustriert – denn wir hatten sogar uns bemüht, unsere Kinder unterzubringen, damit die nicht die ganze Zeit rumtobten. Für uns hatte das sogar einen wirklich positiven Nebeneffekt, wie wir während der Planung merkten: Ohne die Kinder konnten wir uns einfach wirklich in Ruhe unterhalten und wenn dann vielleicht auch sich mehr Paare hertrauen würden? Nun, von den 3 Anmeldungen kinderloser Paare kamen immerhin 2. Das war besser als in Jahr 4, wo nur ein Paar da war und sich tatsächlich etwas deplatziert fühlte.

Und trotzdem  war es so schön. Einige Paare sind wirklich zu jedem Treffen in den letzten 5 Jahren gekommen. Das tut so gut und allein diese Kontakte machen die ganze Arbeit wieder wett. Ich kann mich kaum daran erinnern, wo ich mit meinem Mann ohne das Kind so entspannt mit Freunden im Biergarten sitzen konnte – ohne jedes schlechte Gewissen, da Kathi sich auf die Oma eh schon so gefreut hatte. Wir haben uns einmal quer durch die Karte vom Hirschgarten gefuttert und mit den Leuten geplaudert. Ich verliere offenbar auch meine Zwillingsangst, als ich sah, wie eine Zwillingsmama wirklich entspannt mit ihren beiden Mädels umging und keineswegs aufgearbeitet und verbraucht aussah, sondern wie das blühende Leben. Insofern war’s für mich wieder eine sehr wichtige Selbsthilfeerfahrung, obwohl ich für viele scheinbar am Ziel meiner Wünsche angekommen bin.

Dennoch stellt sich die Frage: Was ist gefordert? Was ist notwendig? Ist der persönliche Austausch mit erfahreneren Leuten nicht mehr gefragt und man muss in einer Gruppe von Leuten, die alle kaum einen Schritt weiter gekommen sind, das Rad jedes Mal neu erfinden? Es scheint so. Dann sei’s drum – im Jahr 6 wird es dann wohl ein Elterntreffen geben, zu dem Kinderwünschler ohne Kinder herzlich willkommen sind, aber ich mach da nicht mehr so ’nen Affentanz drum wie in den letzten beiden Jahren. Und wahrscheinlich seh ich’s in 8 Monaten, wenn die Planung wieder beginnt, komplett anders 😉

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